Fliegen, frei wie ein Vogel...

......war von jeher der Wunschtraum des Menschen: Die Flügel ausbreiten, loslaufen - im Aufwind kreisen. Lautlos, fast kraftlos. Drachen- und Gleitschirmfliegen ist die Erfüllung dieser unendlichen Sehnsucht.

Drachenfliegen findet seine Ursprünge in der Weltraumfahrt. Der kalifornische NASA- Ingenieur Francis Ragallo hatte 1948 einen flexiblen Flügel als Fallschirm- Ersatz entwickelt, mit dem es möglich sein sollte, Weltraumraketen sanft und gesteuert zur Erde zurückzubringen. Diese Idee war so einfach wie genial: Rohre und eine flexible Bespannung, das ganze zu einem kleinen Bündel zusammenlegbar. Geboren war der Drachen. Viele Jahre vergingen, und erst Mitte der 60er Jahre experimentierten John Dickenson und Bill Moyes in Australien mit dem Rogallo- Flügel als Hängegleiter. In Europa populär wurde der neue Luftsport dann 1973 durch einen Flug des Amerikaners Mike Haker von der Zugspitze. Und niemand hätte damals zu träumen gewagt, daß die freieste Form des Fliegens ein derartiges Echo finden würde: Es gibt heute mehr als 100000 Drachenflieger.

 

Doch die damaligen Drachen waren alles andere als sicher. So investierte man in den folgenden Jahren enorm viel Zeit und Geld, um die einfachste Art des Fliegens sicher zu machen. Geprüfte Geräte und eine fundierte Ausbildung sind heute Grundvoraussetzungen des Sports. Und mit Stolz darf man das Bundesverkehrsministerium zitieren: "Das Risiko liegt ein vielfaches unter der Unfallzahlen beim Segelfliegen und Motorsegeln"


 


Doch nicht nur mit der Sicherheit, sondern auch mit der Leistung ging es aufwärts. Ein moderner Drachen fliegt von einem 1000 Meter hohen Berg im Gleitflug zirka 13 Kilometer weit. Wen wundert's das die Jünger des Ikarus heute ihre Weltbestmarke auf über 500 Kilometer geschraubt haben. Möglich sind solche Flüge durch die Kraft der Sonne: warme Aufwinde, in der Fliegersprache Thermik, sorgen dafür, daß die Piloten sich stundenlang in der Luft halten können - auch für Genußflieger sind Streckenflüge über 100 oder 200 Kilometer keine Seltenheit.

Und schon werden die Alu- Draconflügel in ihrer Einfachheit wieder unterboten: Gleitschirmfliegen , die motorlose Alternative. Ein bis 10 bis 15 Kilogramm leichter Rucksack ist das ganze Flugzeug. Schirm aus dem Packsack, auslegen, loslaufen und fliegen. Hört sich einfach an, und ist es auch. Seit 1987 sind der jüngsten Form des Fliegens die Tore zum Himmel geöffnet. Ebenso wie Drachenfliegen erfordert das Gleitschirmfliegen eine seriöse Ausbildung und geprüfte Geräte. Unter der Obhut des Deutschen Hängegleiterverbandes und des Österreichischen Aeroclubs hat man auch in diesem aufstrebenden Boomsport die Kinderkrankheiten ausgemerzt. Gleitschirmfliegen ist sicher. Und die völlig flexiblen Flächen warten mit Leistungen auf, die vor ein paar Jahren keiner für möglich hielt. Man stelle sich vor: mit einem Flugzeug aus dem Kofferraum fliegt jemand 350 Kilometer!